Aufgewachsen auf dem Land. Historische Aufnahmen und Geschichten über Damals im Wendland. Der Landkreis Lüchow Dannenberg als Beispiel für das Leben auf dem Lande im 20. Jahrhundert.



 

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Beschauliches Leben in Lüchow. Keine großen Innovationen. Die Lüchower Einrichtungen sind ausgelastet. Was es nicht gibt, gibt es in Salzwedel. Der kleine Einzugsbereich im Umland ist versorgt. Inflation und Weltwirtschaftskrise haben natürlich ihre Auswirkungen, aber im Übrigen hält man sich an das Gewohnte.  Nach der Einführung der zentralen Wasserversorgung und der frühzeitigen Elektrifizierung der Stadt im letzten Jahrhundert verliefen die meisten innovativen Pläne im Sande oder gingen nach kurzem wieder ein.
 
Das gesellschaftliche Leben funktioniert nach festen Regeln in der von den Stadtvätern konservativ geführten Stadt. Reges Vereinsleben mit großen Festen und Umzügen, lebhaftes Treiben an den Markttagen. Es ist das, was man später "die gute alte Zeit" nennen wird. Mehrere konkurrierend gegründete Zeitungen fusionieren zum "Allgemeinen Anzeiger".
Die Opfer des Weltkriegs sind nicht vergessen. In den Kriegervereinen wird räsoniert und politisiert.

Blick hinter die Insel in den Jeetzelarmen.
 

In der Stadt findet man noch dieselben Fahrzeuge wie in den früheren Jahrzehnten.

Ein motorisierter Krankenwagen ist eine Innovation.
 
 
In der Bergstraße hat Schuhmachermeister Klaucke seinen Laden mit Werkstatt. Im Nachbarhaus an der Ecke zur Tarmitzer Straße hat er ein neues Schaufenster eingerichtet. (Siehe unten.)
 
 

Der Blick durch die Tarmitzer Straße fällt am Ende auf ein Haus, das später abgerissen und durch einen Erweiterungsbau für das Kaufhaus Hettig ersetzt wird. (Foto aus den Dreißiger Jahren.) Auf der rechten Seite in der Tarmitzer Straße 17 (heute Nr. 58 Schlachterei Deppe), haben 1929 laut Telefonbuch August Feilke, Sattler, und Dorothee Feilke, Witwe, einen Telefonanschluss angemeldet. (Hier Vergleichsfotos.
August Feilke stammt aus einer alten Leineweberfamilie, die in der Salzwedeler Vorstadt von Lüchow wohnte. Seine Eltern, Leinewebermeister August Feilke und Dorothee, geborene Steiling aus Meetschow, waren in die Tarmitzer Straße gezogen. Der hier 1870 geborene Junior August Feilke wurde Sattlermeister und sein Enkelsohn hat die folgenden Fotos zur Verfügung gestellt.

 
Foto links, aufgenommen um 1900: Sattler und Polstermeister August Feilke (1872-1945) mit seinem Vater, dem Leinewebermeister, Blattbinder (Kammmacher) und Leggediener August Feilke (1840-1911). Oben aus dem Fenster schaut die Frau des Sattlermeisters Auguste Feilke, geb. Franke aus Uslar (1870-1945). Auf dem rechten Foto von 1936 fällt über dem Verkaufsaushang von Pferdegeschirr und Peitschen das geänderte Firmenschild auf.
 
Um 1900: Sattler und Wagenbauer, Tapezier und Decorateur 1936: Sattlerei Polsterei Sattlermeister
Der Beruf des Sattlers hatte ein breites Tätigkeitsfeld. Nicht nur das Polstern von Sitzmöbeln und Tapezieren mit Leder  bei der Raumausstattung waren seine Aufgabe. Auch im Kutschenbau wurde Leder verwendet.
 

1936. August und Auguste Feilke mit ihrem Enkelsohn Hellmuth.

   
 
Die Wirtin Maria Fröhling vom Gasthaus auf der Insel beantragt 1925 ganz kurzfristig beim Magistrat der Stadt eine Genehmigung zum Ausschank von Getränken aller Art beim Schützenfest.

(Vergrößern mit Mausklick).

"Zu dem bevorstehenden Schützenfeste bitte ich um die Erlaubnis zum Ausschank von Getränken aller Art auf dem Schützenplatz. Achtungsvoll. Maria Fröhling."


Die Häuser auf der Insel mit "Fröhlings Marie".

Es hat alles seine bürokratische Ordnung, aber der amtliche Vorgang lässt sich doch erfreulich formlos erledigen.

 
In der Bergstraße etwas oberhalb vom Schusterladen gibt es einen modernen PKW.


Auf dem späteren Gelände der Fa. Schütte (Roggan) führt August Ahlswede aus Bösel eine seit 1893 existierende Strohhülsenfabrik.

 
Strohhülsen sind Schutzverpackungen für Flaschen. Eine Strohschneidemaschine und eine Nähmaschine reichen aus, um den Rohstoff Stroh als Verpackungsmaterial zu veredeln. Mit einer Packpresse werden die Hülsen versandfertig zu Ballen gepresst. 
Drei Teile einer Szene am Güterbahnhof 1936.
Rechts: Die Ballen der Strohhülsen werden in einen Güterwagon verladen. Die Sendung geht an eine Kellerei, Ort leider nicht lesbar. 
Dahinter wird auch ein Fuder reines Stroh umgeladen.
Anmerkung von A. Hille: "Dort steht meiner Überzeugen nach Kellerei Klötze. Diese befindet sich in Klötze / Altmark über die Straße beim Bahnhof bzw. neben dem ehem. Kleinbahnhof."
 
Links bei den Fahrrädern steht der Chef Ahlswede, der die Fabrik von 1932 bis 1945 inne hatte, und neben ihm Viehhändler Lühmann aus Wustrow.
Das Fuhrwerk unten ist ein Gespann der Fa. Harbort mit dem Kutscher Stoedter.

Die drei Ausschnittvergrößerungen stammen von einem Foto aus der Sammlung von Erich Haacke, der auch die Informationen dazu geliefert hat.
 Das Gesamtfoto in groß.
 
Ergänzung im Juli 2010
Aus Dorfmark in der Lüneburger Heide teilt ein Urenkel von August Ahlswede mit:
"Der Motor, der die Strohhülsenfabrik angetrieben hat, ist in meinem Besitz. Er ist in einem guten Zustand und läuft noch!"
 
Im Nachbarhaus von Cafè Rautenkranz, an der Ecke zur Burgstraße hat Ludwig Huth ein Stoffgeschäft. Wolfgang von der Heyde, der später in diesem Haus aufgewachsen ist, hat drei Fotos aus den Zwanzigerjahren gefunden:


Der Laden von Ludwig Huth (laut Adressbuch von 1929 Färbereibesitzer). Im Schaufenster spiegelt sich das Haus der späteren  "Milchbar Hentschel". Der Junge ist entweder Werner oder Karl Huth.


Der Umbau des Ladens ermöglicht einen Durchblick von der Burgstraße zur Langen Straße.
 

Weil Innenaufnahmen selten sind, ist anzunehmen, dass dieses Foto von Ludwig Huth in seinem Laden anlässlich der Neueröffnung nach dem Umbau aufgenommen wurde.
Wolfgang von der Heyde schreibt dazu: "Das Bild berührt mich deshalb, weil es die gleiche Einrichtung zeigt, die ich als Kind noch kannte."
 
 
Frieda Rautenkranz heiratet den Bankkaufmann Fritz Wegner, der in der Bank Neubauer & Co. angestellt ist.
Ein Enkelsohn von Frieda und Fritz Wegner wird uns später mehr erzählen. Zunächst finden wir einige Verknüpfungen unserer "Spuren".
 
Im Jahre 1923 wird die Bank Neubauer & Co. (zunächst unter der Bezeichnung Wendländische Bank OHG) gegründet. Zu den Gründern gehört auch Adolf Ritz, den wir aus der Sareitzer Spur kennen. Er übernimmt nach Jakob Maaßen die Geschäftsführung der Bank, die ihre Räume im Nachbarhaus von Wittes einrichtet. Das Haus ist aufgestockt, vielleicht vollkommen neu gebaut. In dieser Bank arbeitet Fritz Wegner einige Jahrzehnte.
Wir schauen wieder nach nebenan zu Wittes:

(Die Bank wird 1967 Insolvenz machen und von der Commerzbank übernommen werden.)
 
1920 heiratet Margarete Witte den Leutnant der Polizei Eberhard Greiner. Er geht 1927 als Hauptmann der Preußischen Landjägerei (=Gendamerie, Polizei) nach Ostpreußen. Seine Familie zieht ebenfalls dorthin. Foto: Familie Greiner mit ihren drei Söhnen 1928 in Lyck.
Zwei Söhne werden im nächsten Weltkrieg fallen. Sohn Edzard wandert später in die USA aus. 
Eberhard Greiner überlebt den Zweiten Weltkrieg und ist später als Tierarzt Dr. Greiner in Lüchow tätig.
Die Greiners zeigen im Rentenalter mit dem Anlegen mehrer Alben zur Familien- und Stadtgeschichte ihre enge Beziehung zu Lüchow. Auch von Marie Witte liegt ein Album vor.

Frau Greiner (auf dem Foto als junge Mutter) spendet in hohem Alter der Stadt eine Parkbank für die Bleichwiesen.
 

Das Städtische Elektrizitätswerk Lüchow auf einer Postkarte
vom Anfang des Jahrhunderts.
In einem Punkt war Lüchow schon vor der Jahrhundertwende vergleichbaren Städtchen voraus gewesen. Es hatte eine zentrale Stromversorgung und die Straßen waren elektrisch beleuchtet.
Marie Witte arbeitet bei den Elektrizitätswerken ÜLA (später Hastra) bis zum Rentenalter. Sie bleibt unverheiratet. Sie wohnt in der Badestraße neben ihren Eltern, die den Laden bis in die 50er Jahre führen.
Ein paar Zeitsprünge mögen entschuldigt werden. Hier sind noch mehr:
 
Marie und Margarete Witte auf der Bank vor dem Haus in der Langen Straße. Ein Foto aus den 50er Jahren.

Hanna Witte heiratet 1935 Egon Walter in Portugal.
Karl-Heinz wird Elektriker und fällt nach sechs Jahren Kriegsteilname 1945 "im Osten".
Mit Wilhelm Witte jun., der 1933 Gertrud Ebel in  Küsten heiratet, wird diese Spur dort noch etwas fortgesetzt.

 
Aus dem Fotoarchiv der Familie Rautenkranz-Wegner seien noch Fotos gezeigt, die nicht aus Lüchow sind. Eine "Bootsfahrt auf der Elbe 1926" bedeutet hier vielleicht das Übersetzen zur Verwandtschaft auf dem alten Stammsitz der Familie (von) Rautenkranz in Darchau. Auch bei den nächsten beiden Fotos geht es um Verwandtschaft, die aus Scharlippe bei Stendal schreibt. Man kann sich nicht oft besuchen. Offenbar vermisst man sich aber, denn aus der Notiz auf der rechten Postkarte lese ich:
"Fritz soll auch kommen!" (1932)


Auf der Elbe.

 
1932 Scharlibbe bei Stendal. 1932
 
Mit den Fotos aus der Nachbarregion beenden wir diese Spur vorläufig.

Aber in Lüchow bleiben wir noch und schauen, wie es in der Drogerie Stock weitergeht.

Drogerie Stock in den 20er Jahren

 

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