Aufgewachsen auf dem Land. Historische Aufnahmen und Geschichten über Damals im Wendland. Der Landkreis Lüchow Dannenberg als Beispiel für das Leben auf dem Lande im 20. Jahrhundert.



 

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Naulitz um 1960
und die weitere Dorfentwicklung

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 Bereich

 

Naulitz 1910
Naulitz um 1960

Fotos und Infos
zur Recherche
über Naulitz
kamen von:

Gisela Korth
Reinhold Korth
Gudrun Kolb,
Hans Kolb,
Helga Schulz,
Herbert Roost
Inge Pehlke,
wendland-archiv
Knut Hose.
Dr. Dirk Wübbenhorst,
Michael Kablitz


Ortsgeschichte
von Naulitz
(Alfred Köllner)

Literatur:
Wendlandlexikon

Fr. Lange, Schmiedehand-
werk

Einwohnerbuch
von 1929

 

 

Der Rundling Naulitz verliert seinen Charakter, bevor die Bestrebungen zur Erhaltung der Rundlinge mit der Gründung des Rundlingsvereins zur Wirkung kommen. Das Höfesterben infolge der Landwirtschaftspolitik setzt in Naulitz früh und besonders deutlich ein. Von 10 Vollerwerbsbetrieben geben bis 1970 sieben Betriebe ganz auf. Die Gebäude verfallen, werden abgerissen und zum Teil durch Neubauten ersetzt.

Auf Hof Nr. 5 heiratet Gisela Jahnke (geb. 1940) Reinhold Korth aus Klautze. Die junge Familie Korth führt den Hof durch alle Krisen weiter und zwar ohne sich dem Diktat "Wachsen oder Weichen" zu beugen. Bis ins verdiente Rentenalter am Ende des Jahrhunderts bewirtschaften sie den Hof ohne ihn wesentlich zu vergrößern.

 

Der Ortsplan mit dem heutigen Gebäudebestand.
(Vorlage DGK im Wendlandlexikon)
Der ovale Rundlingsgrundriss ist in seiner äußeren Grundform noch erhalten.  Stark gewandelt hat sich das Ortsbild durch aufgegebene Hofstellen, durch Ersatzbauten und umgebaute Haupthäuser.

 

Auf den Hofstellen waren im 20. Jahrhundert folgende Namen vertreten:

 
1 Heinrich und Martha Jahnke (ohne c), Kufahl, Schröder 7 Främke, Warratz. Hinten: Kofahl
2 Minna Werner 8 Pächter Homann
3 Irma und Herbert Roost (bauen 1964 das neue Haus), Eigentümer Janiesch Küsten 9 Christoph Schulz, Martin Renner
4 Helmke, Pächter Karl Henning, Eigentümer Schulz Schreyahn. Klaucke(?) 10 Warnecke, Anna und Adolf Schulz, Helga und Ernst Adolf Schulz
5 Beerbohm, Glabbatz, Jahncke, Korth 11 Gustav Meyer
6 Niehus, Gauel, Pächter Peter Niemann, Eigentümer (?)
Olga Röker Saggrian, heute Dieter und Roswitha Schulz
12 Heuer, Pape

Für genauere zeitliche Zuordnung hoffen wir auf viele Zuschriften.
 

 

Wir wenden uns wieder dem dörflichen Leben der 50er und 60er Jahre zu und lassen Gisela Korth über diese Zeit erzählen:

 


Kinder, auch Gisela Jahncke und andere aus Naulitz, tragen den Erntekranz beim Erntefest in Küsten. (Um 1950.)

 
Kartoffelernte
Als ich 11 Jahre war  hatte Vater einmal mit dem Klabuster zu viele Kartoffeln ausgemacht. Die konnten wir bis zum Abend nicht alle einsammeln. Das war aber schon spät in der Erntezeit und in der Nacht gab es richtig Frost. Die Kartoffel waren gefroren und man konnte sie nicht mehr essen. Wir haben sie aber doch alle gesammelt und mussten sie an die Schweine verfüttern.
Zur Kartoffelernte hat Vater uns immer ein Fleet aus Stroh gebaut. Da konnte man bei Regen Schutz finden und da wurde dann auch zu Mittag gegessen. Dazugingen wir nicht nach hause. Und natürlich Kaffeezeit mit Butterkuchen (Bröcken).
 
Oma wollte immer ein Radio haben. Als die Fernseher aufkamen, hatten unsere Nachbarn den ersten im Dorf. Opa durfte sich dann nachts um 3.00 Uhr in Dippes Haus schleichen und Boxkämpfe im Fernsehen verfolgen.
Fritz Jahnke aus Naulitz zu Besuch bei seiner Schwester vor dem Elternhaus in Breese i. Br., aufgenommen 1955.
Als er 82 Jahre alt war, wollte er unbedingt selbst einen Fernseher haben. Aber er ist dann oft davor eingeschlafen.
 


Erntearbeit (Dreschen) bei Jahnkes.

 

Wir hatten Herdbuchzucht von Kühen und Schweinen.
Wir haben unsere Ferkel immer nach Lüchow  zum Ferkelmarkt gebracht. Der war auf dem Burgplatz. Mit Pferd und Wagen haben wir die Ferkel hingebracht. Das Pferd war erst kürzlich gekauft und alles nicht so gewohnt. Das laute Geschrei der Schweine auf dem Markt hielt es nicht aus und ging durch. Es galoppierte durch die Stadt. Bei Schlachter Kemner konnte es wieder eingefangen werden.
Zu meiner Zeit haben wir auch einmal einen Gummiwagen voller Zuchtsauen nach Uelzen gebracht.
Wenn wir Kühe verkauft haben, also nach weiter weg zum Beispiel nach Winsen/L., ging das auch nicht so einfach ab Hof wie heute. Wir haben die Kühe nach Gollau zum Bahnhof getrieben. Dort wurden sie auf die Bahn verladen.

 
Hinten bei Adolf Schulz gab es für das Dorf eine Notkuhle (Löschwasser).
In einer Walpurisnacht haben die jungen Leute mal einen Wagen da rein geschoben. Am nächsten Morgen musste der Wagen mit Pferden wieder rausgezogen werden. Der Knecht musste rein ins Wasserloch um die Seile festzumachen. Nun, er hatte nachts auch kräftig geholfen ...


Heuernte in den 50ern.

 


Fuchsjagd mit dem Reiterverein Küsten. Auf einem der Pferde sitzt Friedrich Jahnke. Aufgenommen wurde das Foto in Küsten.

 


Auf dem Hof von Korths. Das Foto zeigt den typischen Wohnteil des Niederdeutschen Hallenhauses, der hier im 19. Jahrhundert einseitig um ein Stockwerk erhöht wurde.
Rechts hinten sieht man noch das Strohdach von Hof Nr. 4, unter dem so überaus viele Fledermäuse "wohnten".

 


"Unser neuer Hanomag. Wir haben immer in alter Tradition gewirtschaftet, ohne auf Pump zu investieren. Wir haben immer nicht mehr gekauft, als wir Geld hatten. Einen zweiten Trecker haben wir uns geleistet. Wir waren ja immer beide von früh bis spät im Einsatz. Für das Mistfahren war der Frontlader dann gut. Einmal bei der Rübenernte ist mal was passiert. Ich war da mit meiner Tochter neben dem Trecker und wir haben so die Reste aufgeladen, die vom Frontlader gefallen waren. Und da kippt doch der Trecker um. Dicht neben uns. Das vergisst man ja dann nicht."

 


"Zehn bis zwölf Kühe (manchmal standen ja zwei trocken) hab ich mit Hand gemolken, oft auch auf der Weide.

 

Der Milchwagen kam morgens immer pünktlich. Aber nachmittags ließ er lange auf sich warten. Da gab es wohl unterwegs was zu trinken. Der kam und kam nicht. Ich musste doch die Kannen wieder spülen. Die waren dann schon ganz angetrocknet. Wenn wir Buttermilch bestellt hatten, kriegte ich den Rand kaum noch wieder sauber. Bis das alles fertig war, mussten wir schon wieder melken.
Eine Melkmaschine hatten wir erst ganz spät, weil unser Stall so niedrig war. Als unser Sohn bei der Geno war, hat er dafür gesorgt, dass hier doch eine Melkmaschine eingebaut werden konnte.
Manche Nacht bin ich aufgestanden und hab die Ferkel abgenommen, damit sie nicht von der Sau zerdrückt werden, und hab sie unter die Lampe gelegt.
Wir haben auch Saatkartoffeln angebaut. Da muss man dreimal durchgehen und die kranken Pflanzen rausziehen. Die haben wir dann in die Schürze gesammelt und rausgetragen.
Urlaub haben wir nicht gemacht. Immer nur gespart. Dann konnten wir auch etwas Land zukaufen und ein paar Maschinen auch. Aber auf Kredit haben wir das nicht gemacht."
 


Schulzens auf Hof Nr. 10 schaffen schon um 1960 eine Melkmaschine an.


Auf Hof Nr. 1 wurde die alte "zweischiffige" Scheune von Jahnkes(ohne "c") erhalten und instand gesetzt. Das alte Haupthaus von Nr.1 wurde durch einen kleineren Neubau ersetzt.

 
Auch auf den Hofplätzen 2, 3 und 4 stehen die alten Hallenhäuser nicht mehr. Die Hofflächen sind leer. Klauckes haben auf Nr. 4 die Scheune und Stall im hinteren Teil des Hofes renoviert und dort Wohnungen ausgebaut. 
 
Elf Personen aus Wootz sind 1953 bei einer dramatischen Flucht unter Mithilfe eines Volkspolizisten über die Elbe in den Westen gelangt. Darunter war auch die Familie Roost. Nach einer Odyssee durch Süddeutschland haben Irma und Herbert Roost sowie seine Eltern Hugo und Elli Roost Unterkunft in Naulitz auf Hof 1 gefunden. Die Wohnverhältnisse sind eng, zwei Kinder wachen heran und Irma und Herbert Roost wollen wieder eigene Landwirtschaft betreiben. Es gelingt ihnen, das Hofgrundstück Nr. 3 vom Eigentümer Janiesch in Küsten zu erwerben und in bescheidenem Maßstab ihren Traum vom neuen Haus und Hof zu verwirklichen.
 


 

  Hof Nr. 3
 
 

 
 

 

Es wird wieder in die Hände gespuckt ...

 

 

 

 

Heinrich Heuer behaut die Feldsteine.


 

 

                                     

 

 

Nicht nur aus gepflegten Karpfenteichen sondern auch aus Flüssen, Bächen und Dorfteichen wird der Fischreichtum des Wendlands mit Netzen, Reusen und Angeln geholt.


Auf zum Angeln!


Aale

 


Aale

 


Hugo Roost

 


Der neue Hanomag von Familie Roost.

 

Zum Schlachten sind die Räumlichkeiten bei Familie Roost nicht geeignet. Das ist aber kein Problem. Das Schwein wird rübergetrieben zu Familie Schulz auf Hof 10.


Wenn das Schwein an der Leiter hängt, muss es begossen werden.

 


Wurst machen in der Küche von Helga Schulz. (s. a. Hausschlachtung)

 

Die Naulitzer haben für die gemeinsame Pfingsttour die alten Kutschen wieder angespannt.
 

Der Posaunenchor von Küsten hält seine Tradition, am Pfingstsonntag durch Naulitz zu kommen, bis heute aufrecht.
Auf dem Foto sieht man auch das Haus Nr. 9, von dem kein älteres Foto bekannt ist. Es wurde vergleichsweise früh zum reinen Wohnhaus umgebaut und dabei mit einigen Kompromissen in der Giebelansicht im Fachwerkstil erhalten. Nach Gisela Korths Erinnerungen muss es schon vor 1940 so ausgesehen haben.
 

Naulitzer beim Schützenfest in Göttien.

 

 

Auf Hof Nr. 4 haben Klauckes als Ersatz für das alte Haus die früheren Wirtschaftsgebäude im hinteren Teil des Hofes renoviert und eine neue Wohnung eingebaut.
Nach dem Abriss des Hallenhauses dient die große Freifläche als Garten. Der erscheint eines Tages als zu groß und deshalb wird Getreide angebaut. Ein Kornfeld mitten im Rundling wirkt dann doch so verwunderlich, dass es fotografiert werden muss.

 


Zurück zu Jahnckes auf Hof Nr. 5


Jahnckes haben vor langer Zeit den Giebel ihres Hauses mit Eternitplatten verkleidet. Unter der Regie von Gisela und Reinhold Korth wird das Haus in den ursprüngliche Zustand zurückversetzt und prächtig renoviert.

 


Gisela Korth: "Hinter den Platten waren die Fachwerkbalken sehr verfault. Wir mussten fast alle Balken ersetzen. In der "groot Dääl" ist noch alles wie früher erhalten, mit Lehmwänden und Hühnerschlag und so. Nur zwei Trägerbalken mussten wir unterziehen, weil das Dach jetzt schwerer ist als mit Stroh gedeckt. Den ganzen Raum brauchen wir ja nicht mehr. Zuletzt haben wir hier die Goldene Hochzeit von meinen Eltern gefeiert. Da hatten wir hier alles schön gemacht und mit Birkenzweigen geschmückt. Die Feiern in der großen Scheune waren immer schön." (Foto 2009)

 

Im August 1982 findet Gisela Korth einen Anlass, die alte Tracht ihrer Urgroßeltern mit der goldenen Timpmütze anzuziehen und noch einmal zur Geltung kommen zu lassen. Leider erscheint das angekündigte Fernsehteam nicht. Stattdessen wird das Foto nun hier doch noch weltweit veröffentlicht.

Ich danke Gisela Korth für die vielen Fotos, die Vermittlung weiterer Alben und für die Informationen bei den häufigen Einladungen mit Kaffee und Kuchen.

 

 

Beim nächsten Thema will ich einmal selbst der Zeitzeuge sein,
der sich an seine jugendlichen Eindrücke erinnert:

Die Grenze wird zementiert

 

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